Fortpflanzung III

Hunde werden ab Beginn der Pubertät Geschlechtsreif. Nach weitgehenden Veränderung des Körpers ist der Hund nun fortpflanzungsfähig. Es gibt wie beim Menschen Unterschiede bei Hündin und Rüden. Bei der Hündin spricht man von der Läufigkeit. Zwischen dem siebten und zwölften Lebensmonat tritt diese meist zum ersten Mal ein. In der Regel wird die Hündin danach zweimal im Jahr läufig. Zwischen dem elften und 13. Tag kann die Hündin gedeckt (befruchtet) werden. Diese Zeit wird auch als "Stehzeit" bezeichnet weil die Hündin dann bereitwillig zum Deckackt mit dem Rüden stehen bleibt und durch eine aufgestellte Rute diesen direkt zum Besteigen animiert. Vor den fruchtbaren Tagen und auch danach lässt die Hündin den Rüden nicht mehr an sich heran und beißt ihn weg. Der Sexualzyklus bei Hündinnen wird in mehrere Phasen unterteilt. Zu Beginn tritt die sogenannte Vorbrunst ein. In dieser Phase ist die Hündin zwar noch nicht bereit bestiegen zu werden, die Blutung beginnt jedoch. Zudem verteilt sie Botenstoffe, die Informationen von einem Tier zum anderen übertragen. Diese Botenstoffe, die Pheromone, haben eine anziehende Wirkung und locken die Rüden an. Insgesamt wirkt dieser Botenstoff beruhigend. Es folgt zwischen dem siebten und zehnten Tag die Brunstphase. Die Hündin ist nun paarungsbereit. Die Stehzeit setzt ein. Insgesamt zieht sich die Läufigkeit etwa 21 Tage. Kleine oder große Rassen haben eine unterschiedliche Entwicklungszeit. So kann die Geschlechtsreife bei kleinen Hunden früher und bei großen Hunden später einsetzen. Der Ablauf der eigentlichen Läufigkeit bleibt gleich genauso wie die Tragzeit.

Nach der Befruchtung setzt die sogenannte "Nachbrunst" ein. Diese Nachbrunst (Tragzeit, Milchproduktion) beträgt unabhängig von Rasse und Welpenzal 61 bis 63 Tage.

Die Phase zwischen den Läufigkeiten nennt man Anöstrus. Quasi eine Pause für die Geschlechtsorgane der Hündin. Mit der Pubertät wird auch der Rüde zeugungsfähig. Im Gegensatz zur Hündin die nur zweimal im Jahr trächtig werden kann, ist der Rüde ab diesem Zeitraum (siebter bis zwölfter Monat) immer fortpflanzungsfähig.




Anzeichen der Läufigkeit können die bereits genannten Blutungen, sowie ein Anschwellen der Vulva sein. Da die Hündin dabei Pheromone ausscheidet, können Rüden bei der Entdeckung einer läufigen Hündin einen ,,Besitzanspruch" entwickeln. Dies meint, sie verhalten sich möglicherweise angespannter anderen Rüden gegenüber, um die Hündin für sich zu gewinnen und den Besitz auch durchzusetzen. Trotz dieser sensiblen Phasen sollte man ganz normal mit ihm weiterarbeiten und den Rüden nicht schonen.

Wird eine Hündin nicht belegt (gedeckt) kann es zur Scheinträchtigkeit kommen. Dies nennt man auch "Lactatio sine graviditate" denn es tritt eine hormonell bedingte Veränderung der Milchdrüse ein. Ein Anzeichen einer Scheinträchtigkeit ist zum Beispiel ein angeschwollenes mit Milch gefülltes Gesäuge. Da kein Welpe die Milch abtrinkt, kann es zu Entzündungen kommen. Auch die Entstehung von Gebärmutterkrebs kann durch das Hormondurcheinander forsiert werden. Ursprung der Scheinträchtigkeit ist eine Eigenart der Wölfe. Bei den Wölfen wird nur die ranghöchste Hündin gedeckt. Die Welpen werden jedoch gemeinschaftlich im Rudel versorgt. So ist durch die Scheinträchtigkeit anderer Wölfinen die Milchversorgung der Wolfswelpen gesichert. Dieses Phänomen ist geblieben und tritt auch bei unseren Haushunden auf. Somit ist es sinnvoll mit dem Tierarzt über die Möglichkeit einer Kastration zu sprechen.

Um einen Hund fortpflanzungsunfähig zu machen und damit seinen Hormonhaushalt weitgehend gleichmäßig zu halten, gibt es die Möglichkeit einer Kastration. Die Kastration ist ein operativer Vorgang um bei Rüden die Hoden und bei Hündinnen die Eierstöcke zu entfernen. Folgen dieses Vorgangs können allerdings eine mögliche Gewichtszunahme, mögliche Fellveränderungen (bei Hündinnen), oder auch Inkontinenz sein. Die zuvor vielleicht angespannte Stimmung zwischen Rüden kann, muss sich aber nicht zwingend verbessern. Kastrierte Rüden besteigen andere Rüdern häufiger als vor dem operativen Eingriff. Auch die Erziehung wird nicht automatisch einfacher. Bei einer Sterilisation, ebenfalls ein operativer Eingriff beim Hund, werden die Samenleiter des Rüden oder eben die Eileiter der Hündin durchtrennt, jedoch nicht entfernt. Hormonell bleiben diese Hunde voll intakt, sind jedoch nicht mehr fortpflanzungsfähig.