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Ganz schön mager - eine Trendwende

Was in der Modewelt sein Jahren für Aufsehen sorgt, ist für mich als Hundetrainerin ebenfalls ein Thema. Es ist der "Magertrend". Schlank sein steht beim Menschen für Attraktivität, Gesundheit und Vitalität. Dies sind zudem Eigenschaften die ein langes Leben in Aussicht stellen - da liegt es nahe, als HundehalterIn einen schlanken, gesunden und vitalen, sprich lange lebenden Hund zu versorgen. Doch ist der Magertrend wirklich der Heilbringer?

Das Foto zeigt ein Modell auf dem Laufsteg. In meinen Augen ein faszinierendes Foto mit einer schönen Frau im Zentrum der Bewunderer. Doch bekannter Maßen liegt die Schönheit im Auge des Betrachters. Fakt ist, es bedarf so manch unkonventionellem Mittel, um derart schlank und der Modebranche genügend, auszusehen. Mit gesundem Lebenswandel hat der Magerwahn nichts zu tun. Darum ist es für mich schlicht und ergreifend erschreckend, wenn Menschen mit ständig hungrigen und mageren Hunden ins Training kommen. Besonders die Welpen gehen mir da sehr ans Herz.




Ein Gegensatz

Fotos mit propperen Welpen, die genüßlich an den Zitzen saugen und mit prallen Bäuchen in der Wurfkiste und später im Auslauf kugeln. Das sind die Bilder die unser Herz erwärmen und die Welpeneltern-Gefühle ansprechen. Wir möchten genau das sehen. Es macht Welpenkäufer stolz, ein versorgendes Elterntier und eine reichliche Versorgung des Züchters für unser auserwähltes neues Familienmitglied zu sehen. Wohlbehütete Welpen kommen als proppere und selbstbestimmte Lebeweschen ins neue Zuhause. Hat man sich entschieden einem "armen" Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu bieten, ist es oft ein völlig anderer Blick den wir entwickeln. Wir betrachten das stumpfe Fell, die sichtbaren Rippen und wir fühlen regelrecht das Elend und den Hunger, den dieses Tier in seinem bisherigen Leben durchlitten haben muss. Wir machen also am Ernährungszustand des Hundes, das Wohlbefinden fest.


Wann verlernt ein Welpe "satt zu sein"?




Das Video zeigt meine Bloodhoundhündin mit etwa einem halben Jahr. Meine Hunde, egal ob klein oder groß, Zwergschnauzer oder Bloodhound, meine Hunde bekommen immer so viel zu Fressen bis sie satt sind. In der Regel füttere ich Frischfleisch mit Gemüse, Fell und Knochen zum Nagen und Knabbern. Mein Futter hole ich beim Metzger oder in der Lohnschlächterei. Auf Reisen greife ich auf Dosenfutter, ganz selten auf Trockenfutter zurück. Die Bloodhoundhündin hat von August bis Dezember innerhalb 5 Monaten, rund 24 Kilogramm zugelegt. In den Monaten danach, Januar bis Mai waren es dann nurmehr zehn und mit 15 Monaten hat sie mit rund 50 Kilogramm ihr Endgewicht erreicht. Außer ihr ein in meinen Augen gesundes und artgerechtes Futter zu präsentieren, habe ich keine Mengenregulation vorgenommen. Wichtig ist, meine Hunde laufen auch wesentlich mehr als es die Hunde, Junghunde, Welpen tun, die ich bei mir im Training erlebe. Darum behaupte ich von mir und meiner Tierhaltung, Bewegung, Beschäftigung und Ruhezeiten rechtfertigen eine naturnahe Fütterung ist genau das Richtige.

Auch bei den Zwergschnauzern lag die Gewichtszunahme in den ersten Wochen viel höher und spielte sich dann ein. Meine Hunde fühlen sich einfach gut an und sie sind beim Spaziergang kaum gefährdet Fremdkörper aufzunehmen.



Satte Hunde und trotzdem in Form.

Es ist für mich nicht ein kurzfristiges Experiment, es ist meine nun zwanzigjährige Praxis, Hunde satt zu füttern. Meine Hunde lernen oder haben nie verlernt, nur so viel zu fressen bis sie satt sind. Diese Fähigkeit haben Welpen von Geburt an und nur durch die Rationierung des Futters, während der extremen Wachstumsphase in der Jugendzeit, verlernen Hunde "richtig zu fressen". Es ist das selbe Phänomen wie bei Kindern, die nie Schokolade bekommen und sich diese dann beim Nachbarn holen oder dann wenn es Schokolade gibt, alles in sich hinein stopfen. Auch Erwachsenen Menschen, welche übermäßig essen oder in Dauerdiät leben, sind irgendwann auf einen falschen Pfad gekommen. Diesen ich nenne es hier einmalg "Gierpfad", legt der Hundehalter, die Hundehalterin in dem er, sie ständig wider die natürliche Idee des Hundes angeht. Es wird nach Tabellen und Vorgaben gefüttert und damit alles natürliche kaputt gemacht. Es gibt kaum mehr satte Hunde, vor lauter Angst einen dicken Hund zu bekommen, nehmen HundehalterInnen lieber in Kauf, dass das Tier beim Spaziergang alles, einfach alles frisst. (Es gibt sogar Maulkörbe für diese armen, hungrigen Hunde um die Aufnahme von Fressbarem beim Spaziergang zu verhindern. Ein in diesem Stadium natürlich wichtiger Irrsinn.) Wer nicht die Möglichkeit hat, ausreichendem Auslauf zu bieten muss natürlich auf die Futtermenge achten. Noch mehr zu achten ist jedoch auf die Qualität des Futters. Unter Umständen nutzlos zugeführten Kalorien im Futter können zu Übergewicht führen, genauso wie die extreme Reduzierung von Futter. Es stellt sich beim Hund der selbe "Energiespareffekt" ein wie beim Menschen. Wichtig beim Abnehmen ist es, den Energiehaushalt in Schwung zu bringen und anzuregen. Wer Problem mit Übergewicht hat, der sollte sich unbedingt tiermedizinisch oder ernährungstechnisch fachmännischen Rat zu holen.




Sportler essen mehr

Wer Sport treibt, isst in der Regel mehr als der bequeme Mensch und trotzdem hält sich der Sportler oft schlanker und fitter als der bequeme. Weiter ist es durchaus legitim ein paar Kilo auf den Rippen zu haben. Kinder bei denen jede Rippe zählbar ist und denen wegen eines zu kontrollierenden Wachstums weniger an Nahrung zugeht, das gibt es praktisch nicht.


Leider verlieren HundehalterInnen immer mehr den Blick und auch das Gefühl für ihre Schützlinge. Warum sollte sich ein Hund nurmehr nach Gerippe anfühlen? (Hier würde ich mir auch von Tierärzten wünschen, wieder vom Gerippenwahn abzukommen und die Tabellen gegen das Fühlen zu tauschen). Warum und wie soll ein Wachstum verändert werden? Es ist schlichtweg Mangelernährung wenn ein Hund aufgrund (zu) wenig Nahrung langsam wächst. Eine Mangelernährung erklärt dann gleichzeitig auch, warum das Tier krank wird. Es wurde mangelhaft ernährt, wie soll es wohlversorgt gedeihen? Wie soll ein stabiler Knochenaufbau stattfinden wenn die Zahnanlagen für den Zahnwechsel gleichzeitig zum eigentlichen Wachstum Unmengen an Mineralien verbrauchen wollen, doch durch pauschale Rationierung nicht erhalten?


Bewegung und Nahrung im Gleichgewicht

Tiere haben ein gutes und veranlagtes Gespür fürs Fressen. Wildlebende Tiere überfressen sich nicht dauerhaft obwohl sie sogenannte "gute Zeiten" nutzen. Fette Hunde bekommen oft (sinnlos) viel zu viele Leckereien nebenher. An den Mahlzeiten, die wir bewusst und regelmäßig geben und die das Ziel zu sättigen haben, liegt Übergewicht kaum. Das gesunde Ernährungsschema wird kaputt gemacht, durch eine Reduzierung der Futtermenge um die Leckerliemenge. Diese Leckerliegabe rund um den Tag macht nicht satt und die reduzierte Futterportion auch nicht mehr. Es zieht tragischerweise die erhöhte und krankmachende Magensäure- und Insulinproduktion nach sich, wenn durch ständiges bröckchenweises anfüttern, der Verdauungsapparat angeworfen wird. Ich ziehe hier den Vergleich zu Diäthinweisen und Ernährungsempfehlungen für uns Menschen heran. Wir Menschen sollen auch "richtig" essen und das ständige Naschen und Nebenherfuttern einstellen. Warum machen wir das mit den Hunden??? Jeder Hundetrainer, jede Hundetrainerin sollte vom Pawlowschen Experiment Kenntnis haben. Diese schließt das ständige Anfüttern aus gesundheitlichen gründen schlicht und ergreifend aus.

Bewegungsmangel ist da schon viel mehr ein Thema beim dicken Hund. Ein Hund braucht täglich mindestens eine Stunde Auslauf. Auslauf mit laufen! Laufen auf Strecke, laufen in Bewegung und laufen mit Schwung. Arbeitshunde und weitere Rassen benötigen weit mehr Bewegung als diese Stunde. Ich erlebe immer öfter im Trainingsalltag, dass Australien Shepards oder Jagdhunde angeschafft werden, weil die halt "sportlich" sind. Arbeithunde können sieben, acht Stunden laufen. Nimmt man das Beispiel des Hütehundes welcher mit einer Schafherde umherzieht. Es ist nicht das zweimalige um den See joggen in der Woche gemeint mit "sportlich", sondern die tägliche Auslastung. Auslastung in allen Bereichen - Denken, Bewegung & Sozialkontakt. Und nochmal .... Bewegung. Ja - so richtig mit laufen und Strecke.


Gelenke brauchen Belastung & Entlastung / Motorik

Die Motorik des Welpen, Junghundes und Hundes hängt von seinen getanen Erfahrungen ab. Er muss gelaufen sein. Er muss über verschiedene Untergründe und Beschaffenheit gelaufen sein um die Motorik im Gehirn zu stärken. Weiter brauchen Gelenke eine Be- und Entlastung um die Synovia (Gelenkschmiere) zu produzieren. Wenn Gelenke nicht beansprucht werden, dann findet diese Produktion von Gelenkschmiere nicht statt. Wie soll ein Hund, der nicht entsprechend in Bewegung kommt, und dazu Mangelernährt wird, sich gesund ausbilden? Es ist mir ein absolutes Rätsel. Doch wieviel Bewegung ist nun in Ordnung für meinen jungen Hund oder den Welpen? Diese medizinische Frage kann nur ein Tierarzt beantworten. Als Physiotherapeutin für Hund bin ich mit meinen Erfahrungen auf folgendem Stand, Überzeugung und setze das auch um:

Ein ausgeglichener Hund hat ein gutes Bewegungs- Ruheverhältnis. Um den Bewegungsapparat gesund und mobil zu halten gehe ich so vor, dass sinnloses "Getobe" verboten, jedoch zu tastende auch anspruchsvolle Untergründe von meinen Welpen erarbeitet werden dürfen. Sie dürfen von Anfang an Unwegsames ergründen, dürfen von Anfang an auf Wegen gehen und sich "auslaufen" und ich nehme mir die Zeit, die Hunde zu beobachten und mit abwechslungsreichem Programm zwischen körperlich und geistig anspruchsvollem Tun zu variieren. Damit versuche ich die natürlichen Anlagen zu fördern und zu erhalten.



Bleiben Sie gesund.

Mit diesem Beitrag will ich ein paar Einblicke in meine Hundehaltung geben. Ich wünsche allen LeserInnen Gesundheit und Freude mit den Vierbeinern. Machen Sie sich ein eigenes Bild, vertrauen Sie auf Ihr Gefühl und klären Sie medizinische Fragen mit dem Tierarzt, der Tierärztin Ihres Vertrauens. Doch was ich mir einfach wünsche ist, dass Hunde wieder satt sein dürfen. Ich wünsche mir, dass Hunde nicht Haustiere sein müssen, die in Dauerdiät leben und um ihr Futter betteln müssen. Doch vom "betteln" und "belohnen" schreibe ich einen eigenen Blogbeitrag. Ihre Sandra Mendler

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