Rassekenntnisse II

Hunde und Menschen haben beide Tast- Temperatur- und Schmerzsinneszellen in der Haut. Hunde und Menschen können taktil (tastend) ihre Umwelt wahrnehmen. Im Vergleich zum Menschen haben Hunde deutlich mehr Riechzellen und dadurch eine weit höhere olfaktorische Wahrnehmung (ein höheres Riechvermögen) als wir Menschen. Schwierigkeiten hat der Hund bei der Unterscheidung verschiedener Farbtöne. Weiter sieht er ruhenden Gegenständen/Tiere schlechter Dinge die sich bewegen. Die visuelle Wahrnehmung (sehen) von Hunden funktioniert also besser wenn Dinge in Bewegung sind. Ein einfaches Beispiel darüf ist die Jagd. Solange sich die Katze nicht bewegt sieht ein Hund sie schlecht. Erst wenn sie sich in Bewegung setzt bemerkt der Hund die Katze. Weil Bewegung besser erkannt wird als Ruhendes nennt man den Hund "Bewegungsseher". Durch die Zucht verschiedener Rassen sind die olfaktorischen, die visuellen und auch die taktilen Fähigkeiten von Hunden rassebedingt etwas verschieden. Weltweit gibt es insgesamt 344 durch die FCI (Fédération Cynologique Internationale) anerkannte Hunderassen. Alle anderen sind Mischlinge.

Hunderassen werden für verschiedene Einsatzgebiete gezüchtet. Innerhalb dieser gibt es Unterschiede in den Bedürfnissen jedes Hundes. Die verschiedenen Rassen haben also deutlich voneinander differenzierte Fähigkeiten und Veranlagerungen (beim Jagdtrieb, oder beispielweise im Aggressionsbereich). Den Jagdtrieb wird man bei allen Hunden jedoch niemals endgültig wegbekommen, da dies im natürlichen Verhalten des Hundes liegt und ein Erbe des Wolfes ist. Es gibt keine pauschal kinderliebe/ nicht aggressive/dominante Hunderasse. All diese Verhaltensweisen müssen trainiert, oder korrigiert werden. Dies ist nur durch eine gute Sozialisierung möglich.

Aufgrund dieser rassetypischen Eigenschaften sollte sich jeder vor dem Hundekauf mit den eigenarten der gewünschen Rasse auseinandersetzen. Eine professionelle Beratung aufzusuchen um sich bewusst zu werden, was mit welcher Hunderasse auf einen zukommt ist empfehlenswert. Bei einem langhaarigen Hund sind Ski-Touren beispielsweise oft schwierig, da es in ihrem Fell oft zu Verklumpungen des Schnees kommt. Zudem erfordert die Fellpflege unterschiedlich hohen Aufwand. Es gibt regelrecht Hundefriseurabhängige Rassen, da Verfilzungen der Haut des Hundes schaden und daher entweder ordentlich gepflegt werden müssen, oder geschoren werden sollten. Pudel oder Malteser (unser Bild) haben keinen Fellwechsel und müssen daher geschoren werden.



Das Informieren über die möglichen Anschaffungswege, wie Tierheim oder Züchter sollte zudem bedacht werden. Je nach Erziehungsstand ist dort gegebenenfalls noch einiges aufzuholen. Mitleid allein sollte niemals die Motivation zum Hundekauf sein, denn durch mangelnde Erfahrung tut man dem Hund nicht automatisch etwas Gutes. Ganz im Gegenteil.

Beagle, Weimeraner oder der Jack Russel Terrier eignen sich beispielsweise als Jagdgebrauchshund. Typisch für den Husky sind beispielsweise Schlittenrennen. Für Baujagden eignet sich der Dackel gut. Als Hütehund wird der Border Collies gezüchtet, Labrador Retriever eignen sich vor allem zum Apportieren und der Greyhound findet im Rennsport Einsatz. Allgemein werden Hunde in verschiedene Gruppen unterteilt: Es gibt die oben genannten Jagdhunde mit Lauffreudigem Wesen (Deutscher Kurzhaar), Herdenschutzhunde mit terretorialem Beschützerinstinkt (Kangals), Gesellschaftshunde (Malteser), Diensthunde die gerne Mitarbeiten (Schäferhund), Treibhunde (Rottweiler), etc.

Natürlich gibt es Merkmale der verschiedenen Rassen. Aufgestellte Rückenhaare hat beispielsweise der Rhodesian Ridgeback. Möpse sind für die Kurzschnäuzig bekannt, Dalmatiner für die getüpfelte Fellzeichnung , oder der Shar Pei für viele Falten.

Aufgrund ihrer Anatomie und ihrer Genetik neigen einige Hunderassen zu verschiedenen Krankheiten oder Behinderungen. Zu Atemnot neigen vor allem Möpse und Bulldoggen aufgrund ihrer oben genannten kurzen Schnauze. Schwierigkeiten mit der Bewegung können bei Dackeln wegen dem langen Rücken und der kurzen Beine auftreten. Deswegen sollte man beim Hundekauf auch nicht nur nach dem Aussehen vom Hunde gehen. Es ist nicht immer klar ab wann es sich um eine Qualzucht, damit "in kaufgenommenes Leid" bezüglich der körperlichen Behinderungen handelt. Weiter wird ein fauler Sofahocker mit einem schönen Border Collie entweder sportlich, oder an seinem agilen Tier verzweifeln. Unsere Tierheime sind voll solcher Fehleinschätzungen oder Erziehungskapitullationen. (wer sich eine zu kleine Hose kauft nimmt nicht automatisch ab. So ist es auch mit der Anschaffung eines unpassenden Haustiers.)

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